Sprunkmarken

Haus der Integration öffnet seine Pforten

Am Standort „Wicküler City“ bieten ab sofort das Ressort Zuwanderung und Integration, das Jobcenter Wuppertal und die Bundesagentur für Arbeit unter einem Dach ihre Dienstleistungen für Zugewanderte und Geflüchtete an. Heute unterzeichneten die drei Akteure die gemeinsame Kooperationsvereinbarung, die die Grundlage für die Zusammenarbeit im neuen Haus bildet.
Aktuell leben in Wuppertal über 9.000 geflüchtete Menschen und werden – je nach Stand des Asylverfahrens und Aufenthaltsstatus – von unterschiedlichen öffentlichen Stellen unterstützt. „Viele Menschen haben in den letzten zwei Jahren bei uns in Wuppertal ihren neuen Lebensmittelpunkt gefunden und müssen nun viele persönliche Dinge regeln“, erläutert Dr. Stefan Kühn, Sozialdezernent der Stadt Wuppertal. „Sie haben ihre Anerkennung als Geflüchtete beantragt oder bereits erhalten und brauchen in den meisten Fällen finanzielle Unterstützung, um ihren Lebensunterhalt sicherzustellen“, weiß Kühn zu berichten. Die Problemlagen gleichen sich: Die Geflüchteten suchen nach einer Wohnung oder bemühen sich, ihre Familien nach Deutschland zu holen. Sie möchten möglichst schnell mit einem Sprachkurs beginnen, ein Praktikum absolvieren, eine Arbeit finden oder ihren Berufsabschluss aus dem Heimatland anerkennen lassen. Doch welche Behörde ist für das konkrete Anliegen zuständig und wo findet man sie im Stadtgebiet?

Geflüchtete und Zugewanderte brauchen Orientierung

„Menschen, die in Wuppertal ihre neue Heimat gefunden haben, brauchen Orientierung“, betont Jürgen Lemmer, Ressortleiter des städtischen Ressorts Zuwanderung und Integration. Doch diese ist bei den komplexen rechtlichen Regelungen und Zuständigkeitsabgrenzungen nicht einfach – auch nicht für die vielen Ehrenamtlichen, die den neuen Wuppertalern Bergerinnen und Bürgern helfend zur Seite stehen. Ebenso die zuständigen Institutionen und Behörden stehen vor Herausforderungen historischer Dimension. Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Wuppertaler Jobcenters, beschreibt die Anstrengungen des letzten Jahres so: „Aktuell betreuen wir im Jobcenter über 5.000 Menschen aus Syrien, ein Drittel von ihnen sind Kinder unter 15 Jahren. Wir verzeichnen monatlich Zugänge von 400 bis 500 Personen in unser System. Das sind auch die Auswirkungen der schnelleren Bearbeitung der Asylanträge. Sobald die Menschen als Flüchtlinge anerkannt sind, haben sie Anspruch auf Leistungen beim Jobcenter. Wir mussten und müssen innerhalb kürzester Zeit diese Vielzahl von Menschen mit dem Lebensnotwendigsten versorgen. Auch ging es darum gemeinsam mit dem Ressort, den Sprachschulen und den Bildungsträgern viele zusätzliche Sprachkurs- und Maßnahmeplätze zu schaffen, um jedem Einzelnen ein konkretes Unterstützungsangebot zu unterbreiten, damit die ersten Schritte in Richtung Sprache, Ausbildung, Arbeit oder Studium, aber auch Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglichst früh getan werden können.“

Haus der Integration

Außergewöhnliche Herausforderungen erfordern außergewöhnliche Initiativen. Die Stadt Wuppertal hat sich bereits im letzten Jahr dafür entschieden, eine gemeinsame Anlaufstelle der lokalen Behörden zu schaffen, die für die aufenthalts-, leistungs- und arbeitsmarktrechtlichen Fragen der Zugewanderten und Geflüchteten zuständig sind. Damit war die Idee für das Haus der Integration als kommunale Antwort auf die Frage „Wie organisieren wir die Integration von Geflüchteten in Wuppertal?“ geboren. Es beherbergt im ersten Schritt große Teile des städtischen Ressorts für Zuwanderung und Integration, die Geschäftsstelle „zebera“ des Wuppertaler Jobcenters und den Integration Point der Bundesagentur für Arbeit und hat bereits in der letzten Woche seine Arbeit aufgenommen. Weitere Leistungseinheiten werden voraussichtlich im Sommer noch folgen. „Die Integration von Geflüchteten in die Gesellschaft kann nur gelingen, wenn wir sie als kommunale Gemeinschaftsaufgabe verstehen. Unseren Anspruch als Kommune, alle relevanten Integrationsangebote der Stadt zu bündeln und auf einander abzustimmen, setzen wir mit dem Haus der Integration ganz praktisch und eng vernetzt um. Mit diesem Ansatz nehmen wir bundesweit eine Vorreiterrolle ein“, freut sich Dr. Stefan Kühn.

Gemeinsame Kooperationsvereinbarung

Am 18.01.2017 haben die drei Behördenleiter die gemeinsame Kooperationsvereinbarung für das Haus der Integration unterzeichnet. Darin bekennen sich die Akteure zu ihrer Verantwortung für die Arbeitsmarktintegration aller Geflüchteten. So sollen Beratungs- und Unterstützungsprozesse der unterschiedlichen Stellen auf einander abgestimmt sein und Zuständigkeitswechsel reibungslos vonstattengehen. „Wir nutzen die Herausforderung, der sich viele Behörden und Institutionen in unserer Stadt mit den steigenden Flüchtlingszahlen aktuell stellen müssen, nun als Chance, die bestehenden Kooperationen auszubauen und die Wege für Geflüchtete im wahrsten Sinne des Wortes zu verkürzen“, begründet Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender der Jobcenter Wuppertal AöR, den Schritt mit zebera, der Geschäftsstelle für anerkannte Geflüchtete, ins „Haus der Integration“ zu ziehen. Dass die Integration in Arbeit für die meisten Geflüchteten ein langer Weg sein wird, ist unbestritten. Franz Heuel von der örtlichen Arbeitsagentur Solingen-Wuppertal betont, dass es deshalb um so bedeutender ist, möglichst früh die Menschen zu erreichen und den Unterstützungsprozess anzustoßen. „Unser Ziel ist es, möglichst viele Geflüchtete mit einer guten Bleibeperspektive bereits während ihres Asylverfahrens anzusprechen und ihnen ein Angebot zu unterbreiten. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Ressort Zuwanderung und Integration gelingt uns dies zunehmend besser.“

Neue Angebote

Die Dienstleistungen im Haus der Integration richten sich nicht nur unmittelbar an die Geflüchteten selbst, sondern auch an Menschen und Organisationen, die sie unterstützen. So werden unter einem Dach nicht nur vorhandene Dienstleistungen und Kompetenzen gebündelt, sondern mit den Koordinierungs- und Beratungskräften auch neue Angebote geschaffen. Das Jobcenter hat eigens dafür drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt. Sie beraten und informieren zuständigkeitsübergreifend Ehrenamtliche, Arbeitgeber, Vereine, Verbände und weitere Organisationen. Zusätzlich wurde eine Service-Hotline (74763-333) für allgemeine Auskünfte eingerichtet. Thomas Lenz sieht für das neu geschaffene Beratungsangebot einen konkreten Bedarf. „Wir haben darauf reagiert, dass sowohl den Geflüchteten als auch den ehrenamtlich Tätigen angesichts der sehr unterschiedlichen Zuständigkeiten die Übersichtlichkeit fehlt. Sie brauchen jemanden, der durch die unterschiedlichen Rechtskreise lotst, der über Förderleistungen Bescheid weiß sowie über unsere Sozialsysteme und deren Regelungen informiert. Ich freue mich, dass wir nun im Haus der Integration praktische Unterstützung anbieten können.“