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Bundesweite Flüchtlingstagung in der Historischen Stadthalle

Am 24. und 25. Januar 2017 diskutierte die Fachwelt über die Herausforderungen und Chancen bei der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten.
Unter der Überschrift „Kräfte bündeln für Integration“ veranstaltete der Verein Beschäftigungspolitik: kommunal e.V. in Kooperation mit dem Bundesnetzwerk Jobcenter und dem Jobcenter Wuppertal den zweitägigen Kongress in Wuppertal. Vertreter der Jobcenter, Bundesagentur für Arbeit und Ministerien, Verantwortliche aus Kommunen, dem BAMF und Deutschen Städte- und Landkreistag, Experten und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland stellten die aktuellen Handlungsansätze vor und berichteten über den Stand der Entwicklungen. Dr. Stefan Kühn, Sozialdezernent der Stadt Wuppertal, eröffnete den Kongress am Dienstag mit einem klaren Statement: „Die Integration von Geflüchteten in Gesellschaft und Arbeit ist in erster Linie eine kommunale Aufgabe! Das Zusammenspiel der Akteure vor Ort entscheidet, ob Integration gelingt! Wir müssen uns und den Geflüchteten Zeit geben!“
Die Arbeitsmarktintegration der Geflüchteten wurde aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Dr. Thomas Liebig, der für die OECD in Paris die Internationale Migration erforscht, gewährte einen Blick auf die Forschungsergebnisse in den skandinavischen Ländern. Dort findet man eine gute Datenbasis und hat jahrelange Erfahrungen auf dem Gebiet der Immigration. So wurde in Schweden festgestellt, dass Flüchtlinge erst nach 10 Jahren eine vergleichbare Beschäftigungsquote erreichen wie der Durchschnitt der Bevölkerung. Eine weitere bekannte Größe wurde wissenschaftlich belegt: Sprache ist der Schlüssel für nachhaltige Beschäftigung. Auch wenn eine schnelle Integration im Helfersegment mit geringen Sprachkenntnissen gelingt, so ist diese nicht nachhaltig. Nach einem Beschäftigungsverlust hemmen unzureichende Sprachkenntnisse die Chancen auf einen neuen Job. In Podiumsdiskussionen und Arbeitsgruppen ist deutlich geworden: Ob die Integration der Geflüchteten gelingt, entscheidet sich maßgeblich in den Jobcentern. Sie wurden als die Integrationsmotoren bezeichnet. Durch die beschleunigten Asylverfahren, die bei Neuanträgen im Durchschnitt nur noch 2,1 Monate dauern, kommen die anerkannten Geflüchteten in die Jobcenter. Hier kommt es darauf an, ob den Menschen schnell Angebote für Integrationskurse, Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen unterbreitet werden. In diesem Zusammenhang forderten Vertreterinnen und Vertreter der Jobcenter eine auskömmliche Mittelausstattung und bedarfsgerechte Verteilung der Mittel, sowohl beim Personal- und Sachkostenbudget als auch beim Eingliederungstitel.
Als ein gutes Beispiel für die kommunale Vernetzung wurde immer wieder das Wuppertaler „Haus der Integration“ genannt. Das Jobcenter, das Ressort Zuwanderung und Integration und die Agentur für Arbeit bündeln hier ihre Dienstleistungen für Geflüchtete unter einem Dach und stimmen sich dabei ab. Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenters Wuppertal, fühlt sich mit diesem Ansatz bestätigt: „Es ist immer gut, das eigene Handeln zu reflektieren. Wenn ich die Diskussionen und Vorträge der letzten zwei Tage Revue passieren lasse, dann befinden wir uns in Wuppertal auf einem sehr guten Weg.“ Dieses Feedback gab es auch von der Bertelsmann-Stiftung, die die unterschiedlichen kommunalen Lösungen, z.B. aus Krefeld, Freiburg oder eben auch Wuppertal als Praxisbeispiele untersucht hat. Und auch hier wurde deutlich: die Jobcenter sind Teil der lokalen Kulisse und bei der Integration der Geflüchteten unverzichtbare Akteure. Besonders hervorgehoben wurde das Engagement der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe. Sie seien wichtige Partner und Multiplikatoren für die Jobcenter. Ein Aspekt, der sich wie ein roter Faden, durch die Veranstaltung zog, liegt Thomas Lenz besonders am Herzen: „Die Quintessenz der Diskussionen war immer wieder, dass es auf die Haltung ankommt. Wenn die handelnden Akteure vor Ort die gleiche Grundhaltung verbindet, wenn wir die Integration der Geflüchteten als Chance für die Menschen und unsere Gesellschaft begreifen und wenn wir Geduld aufbringen, dann gelingt es uns, die Integration unserer neuen Bürgerinnen und Bürger erfolgreich zu gestalten.“
Ein besonderes Highlight der Tagung war der Auftritt des Chors, der als Projekt einer vom Jobcenter Wuppertal geförderten Beschäftigungsmaßnahme bei alpha e.V. hervorgegangen ist. Frauen mit Migrationshintergrund sangen in ihren Nationalgewändern und mit Klavierbegleitung internationale Lieder und rundeten mit ihrer musikalischen Einlage das Abendprogramm ab.