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Jobcenter zieht positive Bilanz für das Jahr 2016

In seiner Jahrespressekonferenz berichtet der Jobcentervorstand über die Herausforderungen und Erfolge des vergangenen Jahres und zeigt sich mit der Gesamtentwicklung zufrieden.
„Drei große Themenblöcke beherrschten unsere Arbeit im vergangenen Jahr“, resümiert Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenter Wuppertal. „Die Vermittlung der Menschen in Arbeit und Ausbildung, die Aufnahme und Integration der über 3.000 Geflüchteten, die im letzten Jahr neu zum Jobcenter kamen sowie zahlreiche interne Projekte, wie die Einführung der E-Akte.“

Über 6.000 Menschen in Arbeit und Ausbildung vermittelt

Jedes Jahr vereinbart der Oberbürgermeister mit dem Land Ziele, die das kommunale Jobcenter erreichen soll. Die Zielvereinbarung bezieht sich auf die Integrationen in Arbeit und Ausbildung, die verausgabten Mittel für Leistungen zum Lebensunterhalt und die Zahl der Menschen, die längere Zeit Leistungen vom Jobcenter beziehen. „Ich freue mich sehr, dass wir im abgelaufenen Jahr etwa 6.100 Menschen in Arbeit und Ausbildung vermitteln konnten“, heißt es vom Vorstand für Arbeitsmarkt und Kommunikation, Dr. Andreas Kletzander. „Die endgültigen Zahlen kommen noch, aber nach aktuellen Prognosen werden wir das vereinbarte Ziel voraussichtlich erreichen.“ Hinter diesem Ergebnis verbergen sich viele Anstrengungen. Von der klassischen Arbeitsvermittlung bis zu Projekten wie der Vermittlungsoffensive, dem Bundesprogramm Soziale Teilhabe oder dem ESF-Projekt zur Eingliederung von über 300 Langzeitarbeitslosen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. „Die zusätzlichen EU-, Bundes- und Landesmittel, die wir für Beschäftigungsprojekte einwerben, haben mittlerweile eine Größenordnung von etwa 20 Mio. € für die Laufzeit von mehreren Jahren erreicht“, berichtet Kletzander. „Bei einem Jahresbudget von 34 Mio. € verschaffen wir uns mit den zusätzlichen Fördergeldern natürlich erhebliche Spielräume, um bestimmte Zielgruppen, wie Langzeitarbeitslose oder Eltern von minderjährigen Kindern, besonders zu fördern und ihnen den Schritt in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu erleichtern.“
„Das Eingliederungsbudget wurde wie jedes Jahr auch in 2016 zu 100% verausgabt“, berichtet Uwe Kastien, Vorstand für Personal und Finanzen. Über 28.000 Personen haben an Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung und Qualifizierung teilgenommen. Knapp 4.000 Teilnahmen entfallen dabei auf Arbeitsgelegenheiten, wo die Menschen im geschützten und gemeinnützigen Rahmen auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet, sozialpädagogisch betreut und qualifiziert werden. „Wir legen großen Wert darauf, dass die Arbeitsgelegenheiten sinnvoll ausgestaltet sind“, betont Thomas Lenz. „Die Sinnfrage stellt sich beispielweise an der Nordbahntrasse, bei der Renovierung von Schulgebäuden oder Sanierung von Treppen und Plätzen im öffentlichen Raum nicht.“ „Das Ziel, die Zahl der Langzeitleistungsbeziehenden um 2% zu senken, werden wir mit einem Rückgang von über 3% deutlich übertreffen“, so Dr. Kletzander. Diese Kennzahl bezieht sich auf Kundinnen und Kunden des Jobcenters, die seit mindestens 2 Jahren SGB II-Leistungen beziehen. „Allerdings ist es uns nicht gelungen, die Ausgaben für die Leistungen zur Sicherstellung des Lebensunterhalts zu senken“, erläutert Lenz. „Dies ist angesichts der kontinuierlich steigenden Zahl der Bedarfsgemeinschaften und der knapp 48.000 Menschen, die mittlerweile bei uns Leistungen beziehen, nicht verwunderlich. Schließlich haben wir alleine im letzten Jahr über 3.000 syrische Geflüchtete neu in unser System aufgenommen. Und dieser Trend wird sich auch in 2017 weiter fortsetzen“, so Lenz in seiner Begründung.

Versorgung und Integration von Geflüchteten enormer Kraftakt

„Aktuell betreuen wir knapp 6.000 Geflüchtete, die meisten von ihnen sind Syrerinnen und Syrer“, erläutert Lenz. „Ihre Versorgung mit finanziellen Mitteln, die Bearbeitung von Anträgen, zum Beispiel beim Bezug einer eigenen Wohnung, die ersten Beratungsgespräche, um zu erfahren, welche Abschlüsse oder beruflichen Erfahrungen sie haben, ihre Vermittlung in Sprachkurse und Beschäftigungsangebote, um die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken – all das war und ist eine riesige Herausforderung für unsere Organisation.“ So beschreibt Thomas Lenz die Anstrengungen im Zusammenhang mit der neu gegründeten achten Geschäftsstelle „zebera“, die als zentrale Anlaufstelle für die Belange der Geflüchteten im Jobcenter etabliert wurde und seit Jahresbeginn Teil vom „Haus der Integration“ ist. „Sie müssen sich vorstellen, dass wir zu Beginn des vergangenen Jahres mit lediglich 7 Kolleginnen und Kollegen in den Räumen der Geschäftsstelle 3 am Neumarkt gestartet sind und es geschafft haben, alle Anträge zeitnah zu bearbeiten und die Menschen mit dem Notwendigsten zu versorgen – ohne lange Warteschlangen.“
In der Zwischenzeit ist das zebera-Team auf 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewachsen und hat die Strukturen einer normalen Geschäftsstelle, allerdings mit einigen Besonderheiten. Der dauerhafte Einsatz von Dolmetscherinnen und Dolmetschern ist im Arbeitsalltag von zebera nicht mehr wegzudenken. Auch wurden neue Angebote installiert: Drei Fachkräfte beraten Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe, Arbeitgeber, Vereine und Verbände. Damit reagiert das Jobcenter auf den vorhandenen Bedarf derjenigen, die bei der Integration von Geflüchteten diesen helfend zur Seite stehen und bietet ihnen Orientierung bei der unübersichtlichen Förderlandschaft der unterschiedlichen Systeme.
Über 1.500 Geflüchtete wurden in 2016 in Integrationskurse vermittelt. „Die Kapazitäten für Integrations- und Sprachkurse sind erschöpft“, berichtet Lenz. „Daher legen wir großen Wert darauf, dass wir den Menschen, die mehrere Monate auf einen Sprachkurs warten müssen, ein Angebot unterbreiten, wo sie die deutsche Sprache im Alltag und im Umgang mit anderen lernen. Normalität ist die beste Integrationsmaßnahme. Die deutsche Sprache können sie beim Schrauben von Fahrrädern an der Radstation vom Wiechernhaus an der Nordbahntrasse genauso gut lernen wie beim Fußballtraining zur Vorbereitung auf das TalTurnier der GESA. Denn die Trainingssprache ist dort deutsch.“ Lenz verweist in diesem Zusammenhang immer wieder auf die Rolle und die soziale Verantwortung der Jobcenter – nicht nur bei der beruflichen, sondern auch der gesellschaftlichen Integration der Geflüchteten.

Die Zeichen der Zeit erkennen: E-Akte und Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters gab es eine große Veränderung: im Herbst 2016 wurde die elektronische Akte eingeführt. Papierakten von 24.000 Bedarfsgemeinschaften wurden digitalisiert. „Der Arbeitsplatz und die Arbeitsabläufe unserer Beschäftigten in der Leistungsgewährung haben sich verändert“, weiß Uwe Kastien zu berichten. „Volle Aktenschränke sind modernen Scannern und einem zweiten Bildschirm gewichen. Es gibt digitale Postkörbe, Akten und Post werden jetzt per Mausklick versendet.“ Das Fazit nach den ersten Monaten im Echtbetrieb lautet: „Jede Veränderung bedeutet zunächst einen Mehraufwand und eine Umgewöhnung. Wir mussten auch an der einen oder anderen Stelle nachbessern, sowohl bei den Hochleistungsscannern als auch bei der Software. Mittlerweile haben sich aber die meisten Kolleginnen und Kollegen an die E-Akte gewöhnt und beherrschen die Software. Insgesamt gab es bei der Umstellung keine nennenswerten Probleme oder Ausfälle“, so Kastien weiter. „Mit der elektronischen Aktenführung gehen wir mit der Zeit. Auch die Stadtverwaltung blickt mit großem Interesse auf uns. Vielen Ämtern steht die Umstellung auf die E-Akte bevor, für sie leisten wir gerade so etwas wie Pionierarbeit“, heißt es von Kastien.
Patrick Schmidt mit Sohn
Auch als Arbeitgeberin hat sich die Jobcenter Wuppertal AöR gut positioniert. Im Juni 2016 wurde das Unternehmen mit dem Zertifikat „audit berufundfamilie“ für die familienfreundlichen Rahmenbedingungen und die angelaufenen Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit ausgezeichnet. „Wir sind daran interessiert, unsere Beschäftigten langfristig an uns zu binden und sind davon überzeugt, dass gute Rahmenbedingungen die Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit der Kolleginnen und Kollegen fördern“, findet Lenz. „Ich freue mich, dass wir ab diesem Jahr für 30 Kinder unserer Beschäftigten eine betrieblich unterstützte Kinderbetreuung anbieten können. Auch das neue Arbeitszeitmodell und Eltern-Kind-Büros bieten mehr Flexibilität und leisten einen Beitrag, eine gute Balance zwischen Familie und Beruf herzustellen.“