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Offizieller Startschuss für prioA: v.l.n.r. Vanessa Scharmansky, Sabine Thrien, Sandra Arnhold und Thomas Lenz

prioA – Ein Quartiersprojekt mit klaren Prioritäten

Wie bekämpft man Benachteiligung im Quartier? Das ESF-Projekt prioA der GESA und des Jobcenters geht in den Stadtteil Oberbarmen/Wichlinghausen und bietet vor Ort – da wo die Menschen leben – konkret Hilfe an.
prioA geht das Thema Benachteiligung systematisch an. Die Zugangschancen zu Ausbildung, Arbeit und gesichertem Einkommen sind individuell sehr verschieden; Beratung und konkrete Angebote haben bisher nicht alle Menschen gleichermaßen gut erreicht.
Projektvorstellung am 26.04.2017

prioA hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, individuelle Beratung, ohne die eine freie Wahl, wie der berufliche Weg weitergehen soll, nicht möglich ist, direkt zu den Menschen im Stadtteil zu bringen; an die Orte, wo sich die Menschen gern und häufig aufhalten.

Jedes dritte Kind unter 15 Jahren lebt in Wuppertal von Leistungen des Jobcenters, mehr als doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. Einige Stadtteile sind von Benachteiligung und Ausgrenzung besonders betroffen – der Wuppertaler Osten mit den Stadtteilen Oberbarmen und Wichlinghausen gehört dazu.

„Fragt man Eltern, was sie sich für die Zukunft ihrer Kinder wünschen, bekommt man zu hören, dass es die Kinder später einmal besser haben sollen als die Eltern heute“, weiß Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenters Wuppertal, zu berichten. „Sie sollen einen guten Job bekommen und genug zum Leben haben.“

Eltern wollen ihren Kindern die besten Voraussetzungen für eine gute Perspektive bieten. Die wichtige Basis für eine materiell gesicherte Zukunft in einem gut bezahlten Job ist eine gute Ausbildung in Schule oder Beruf. Hier setzt das Projekt prioA an – die Prioritätensetzung liegt klar auf der Hand. Doch wie können Eltern in Wichlinghausen und Oberbarmen, die selbst unter fehlendem Job und geringen finanziellen Mitteln leiden, ihren Kindern gute Zukunftsperspektiven aufzeigen? An wen kann man sich wenden, wenn man gerade in dem Punkt Unterstützung braucht?

prioA setzt vor Ort an

Das Projekt prioA wendet sich direkt an die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers. Es will herausfinden, was die Menschen brauchen und wollen. „Niemand wird geschickt oder muss kommen. Es ist vollkommen egal, wer zuständig ist, wer man ist oder wo man herkommt, denn wir verstehen uns als Ansprechpartner für alle, die beruflich Fuß fassen wollen“, so Sabine Thrien von der GESA. Das bedeutet für die Projektmitarbeitenden ein hohes Maß an Flexibilität. Sie werden im Stadtteil sichtbar und in Cafés, Märkten und auf den Straßen ansprechbar sein. „Zuerst klären wir, ob es bereits passende bestehende Angebote gibt, zu denen wir die Bewohner lotsen können.

Es ist gibt in Oberbarmen und Wichlinghausen viele engagierte Menschen und Einrichtungen, die eine wichtige Rolle für die Menschen im Quartier spielen“, betont die fachliche Leiterin Vanessa Scharmansky. „Wenn es jedoch noch keine passenden Angebote gibt, so werden wir sie schaffen bzw. die Bedarfe an das Jobcenter und die Stadt rückmelden.“ In den Sommerferien soll z.B. ein Sommercamp für junge Erwachsene stattfinden, die dort ihre Sprach- und Schulkenntnisse verbessern können. Das wird eines von vielen Angeboten sein, im Mittelpunkt wird aber immer das persönliche Gespräch stehen.

Dass Eltern eine zentrale Rolle bei prioA spielen, ist für alle Beteiligten logisch. „Wenn wir die Eltern dazu befähigen, ihre Kinder bei dem Weg in Ausbildung zu unterstützen, münden die Jugendlichen später nicht so schnell in die Übergangssysteme ein. Vielen Zugewanderten fehlen die Systemkenntnisse und die Netzwerke“, beschreibt Sabine Thrien. „Wir wollen unser Wissen rechtzeitig an diese Zielgruppe weitergeben.“

Das Projekt ist offiziell am 01.03.2017 gestartet.