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Wenn eine Familie ein zu früh geborenes, chronisch krankes oder behindertes neugeborenes Kind bekommen hat, ist das zeitliche und emotionale Engagement für die Begleitung bei der medizinischen und therapeutischen Versorgung oft groß. Besprechungen, Behandlungen Krankenhausaufenthalte und Therapien müssen organisiert, wichtige Entscheidungen getroffen werden und dies manchmal auch sehr kurzfristig.
„Im Rahmen meiner Besuche in den Geburtskliniken bin ich auf diese Problemlage gestoßen: Wer ist spontan für die Geschwisterkinder da, wenn die Eltern sich zeitweise auf das neugeborene, erkrankte oder behinderte Kind konzentrieren müssen?“, so Frau Etgeton vom Familienbüro der Stadt Wuppertal. Und wer kümmert sich um Geschwisterkinder, wenn kranke oder behinderte Kinder auch im Lauf ihrer Entwicklung immer wieder ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit benötigen?
In diesen Fällen kommen jetzt die Talengel ins Spiel. Sie kümmern sich in einer Übergangszeit um die älteren Geschwisterkinder und übernehmen die Betreuung in diesen Notfallsituationen bis ein anderer Kostenträger, eine andere Institution, andere Familienmitglieder oder der Freundeskreis tätig werden können. Die Talengel begleiten die Kinder zu Schulen und Kindergärten sowie zu Sport- und Freizeitaktivitäten. Sie beschäftigen sich mit den Kindern, unterstützen bei den Hausaufgaben und machen vor allem Eines: Sie widmen den Kindern ihre Aufmerksamkeit.
„Die Talengel sind weder Haushaltshilfen noch pädagogische Fachkräfte. Aber sie sind wichtige Personen für die Geschwisterkinder und sie entlasten die Familien in Krisensituationen“, so stellt Andrea Siebott vom Sozialdienst katholischer Frauen klar.
Die Talengel werden über die Jobcenter Wuppertal AöR im Rahmen des Bundesprogramms „Soziale Teilhabe“ bei dem Träger Sozialdienst katholischer Frauen sozialversicherungspflichtig eingestellt, engmaschig fachlich begleitet und von pädagogischen Fachkräften geschult. Die Talengel sprechen arabisch, französisch und deutsch.
Bei weiteren Bedarfen können die Familien das Familienbüro kontaktieren. Von dort werden auch die Talengel über früh unterstützende Angebote für Familien informiert und der Sozialdienst katholischer Frauen kümmert sich um die Koordinierung des Einsatzes. Dieser ist kostenfrei und ausschließlich für Familien mit Transferleistungen gedacht.
Diese Idee wurde in einem regelmäßigen Austauschtermin zwischen den Mitarbeiterinnen des Familienbüros und der Beauftragten für Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt der Jobcenter Wuppertal AöR Monika Maas besprochen und auf den Weg gebracht.
„Gerade der ämterübergreifende Austausch ermöglicht es, Bedürfnisse zu erkennen und konstruktive Lösungen zu finden. Die Talengel sind hierfür ein gelungenes Beispiel“, freut sich Dr. Stefan Kühn, Sozialdezernent der Stadt Wuppertal.
Die Jobcenter Wuppertal AöR ist eines von 105 Jobcentern, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2015 für die Teilnahme am Programm "Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt" ausgewählt hat. Das Bundesprogramm ist Teil des Konzepts zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit "Chancen eröffnen – soziale Teilhabe sichern", das Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles im Herbst 2014 vorgelegt hat. Monika Maas erläutert: „Durch die Teilnahme am Bundesprojekt "Soziale Teilhabe" ist es der Jobcenter Wuppertal AöR in Kooperation mit den Qualifizierungsträgern und Einrichtungen der Wohlfahrtspflege in Wuppertal gelungen für bis zu 180 Kundinnen und Kunden einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz einzurichten. Gefördert werden sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse für zusätzliche, wettbewerbsneutrale und im öffentlichen Interesse liegende Arbeiten. Das Projekt ist zunächst bis Ende 2018 befristet. Eine Verlängerung über diesen Zeitraum hinaus wird angestrebt.“
Der Einsatz der Talengel wird über den Sozialdienst kath. Frauen Wuppertal e.V. sowie über das Familienbüro der Stadt Wuppertal koordiniert und gesteuert.