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Pressemeldung – 07.09.2026

Alltagsheldinnen

Kleine Schritte – große Wirkung

Hier erzählen Frauen ihre Geschichten von Krankheit und Arbeitslosigkeit und wie sie die Spirale durchbrochen haben. 


Alltagsheldin Tanja Katzmann

Sie legt noch schnell einen Termin um, spricht weitere Daten mit Teilnehmerinnen ab, beantwortet Fragen. Sie wirkt verbindlich, aufmerksam, zugewandt. Nichts erinnert auf den ersten Blick daran, wie schwer ihr der Kontakt zu anderen Menschen einmal fiel. Dabei kennt Tanja Katzmann die Situation der Frauen, die heute bei ihr ankommen, nicht nur aus Erzählungen. Einst hat sie auf der anderen Seite der Empfangstheke gesessen und war selbst Teilnehmerin bei bergauf.

Das Projekt bergauf richtet sich an Frauen, deren gesundheitliche Einschränkungen den Weg zurück in Arbeit erheblich erschweren. Das Besondere an dem Angebot ist der ganzheitliche Ansatz: Die Teilnehmerinnen bleiben in ihrem vertrauten Lebensumfeld und können unterschiedliche Formen der Unterstützung miteinander verbinden. Dazu gehören unter anderem psychologische und medizinische Begleitung, Unterstützung bei Reha-Fragen und Anträgen. Vor allem gehören aber individuelles Gesundheits-Coaching, Sport, Yoga, gemeinsames Kochen und weitere Angebote dazu, die den Weg zurück in soziale Kontakte und schließlich in Arbeit erleichtern sollen. Ein zentraler Meilenstein des Projekts sah eine Vermittlungsquote von 30 % vor – mit aktuell 25,7 % ist man dem Ziel schon sehr nahegekommen. Das Projekt wird im Verbund von den Jobcentern des Bergischen Städtedreiecks Solingen, Remscheid und Wuppertal umgesetzt.

Raus aus der Spirale

Für Tanja Katzmann gab es eine Zeit, in der schon der Weg vor die eigene Haustür zu einer kaum überwindbaren Hürde wurde. In ihrer schlimmsten Phase, erzählt sie, habe sie nicht allein über die Straße gehen können. „Ich war eine Gefangene meiner Wohnung“, sagt sie rückblickend. Zuvor hatte sie immer wieder versucht, aus eigener Kraft weiterzumachen. „Es ging irgendwie – für eine Weile. Dann kam der nächste Einbruch. Bis irgendwann gar nichts mehr ging“, erinnert sich Tanja Katzmann.

Sich durchbeißen, es sich gar nicht erlauben, krank zu sein, für ein Kind da sein ... Eine Spirale, in die oft Frauen geraten und die Frau Katzmann nur allzu gut kennt. Sie hat eine Umschulung zur Erzieherin begonnen, musste abbrechen, weil Corona kam und die Schulen schlossen. Es zerrt an ihren Kräften. Sie versuchte es erneut, diesmal als Schulbegleiterin. Praktischer Bezug in der Coronazeit? Fehlanzeige. Sie zieht durch. Trotz der Hürden. Sie möchte nichts mehr als arbeiten. Für sich. Für ihr Kind. Sie hält bis zum Ende durch. Auf den Abschluss folgt der Aufenthalt in einer Psychiatrie.  

Dort erst kommt der Wendepunkt. Aber nicht in der Therapie. Sondern weil eine Mit-Patientin ihr vom Modellprojekt bergauf berichtet. „Ich bin schon sehr gut therapeutisch angebunden gewesen. Ich habe es nur mithilfe der Therapien allein nicht geschafft, da raus zu kommen.“  Sie ist angetan davon, etwas anderes auszuprobieren und meldet sich bei ihrer Integrationsfachkraft im Jobcenter. „Alles, was ich will, ist wieder arbeiten können“, sagte sie damals. 

Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten 

„Hier gibt es ganz viele individuelle Möglichkeiten, die einem angeboten werden, mal raus zu kommen aus seiner Enge. Ich selbst wollte mich wieder sozial kompatibel machen. Ich hatte mich viele Jahre nur mit Menschen umgeben, die mir liegen. Wenn du wieder arbeiten willst, dann musst du das wieder lernen, mit anderen Menschen umzugehen.“ Leichter gesagt, als getan. Für sie war es zu Beginn eine große Herausforderung mit anderen in Kontakt zu treten. Doch anders als auf sich allein gestellt zu sein, konnte sie sich hier an Coaches wenden und fragen, wie sie mit diesem und jenem Konflikt umgehen soll.

Es geht also nicht darum, Konflikte oder Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen – sondern einen Umgang damit zu finden. Dieser soziale Aspekt ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts und das, was Tanja Katzmann auf dem Weg in ihr gesundes neues Leben mitgenommen hat. Bergauf hat ihr wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten geschenkt. 

Smoother Übergang

Dass ausgerechnet der Kontakt mit anderen Menschen zum Schlüssel für ihre berufliche Entwicklung wurde, ist schon fast ironisch. Ihre wichtigste Erkenntnis formuliert sie heute ganz freudestrahlend: Ihre „Superkraft“ sei es, sehr gut mit Menschen umzugehen. „Mir ist nichts Menschliches fremd“, sagt sie. Wer könnte mehr von dieser Kraft und Erfahrung profitieren als die Teilnehmerinnen von bergauf selbst.

In den zwei Jahren, die sie im Modelprojekt war, hat sie früh Verantwortung im Beirat von bergauf übernommen und das Projekt mitgestaltet. Sie sammelte Wünsche und Ideen der Teilnehmerinnen und vermittelte zwischen ihnen und den Coaches. Heute steht sie selbst am Empfang – und ist damit für andere Frauen möglicherweise genau die Art von Ansprechpartnerin, die auch sie damals gebraucht hat. 

Mehr Informationen für betroffene Frauen

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Bildnachweise

  • Janeb13_pixabay

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